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Blechträgerbrücke der GBStB um die Jahrhundertwende
Vorbild und Motivation
Schon seit längerer Zeit beschäftigte mich der Gedanke, ein handliches Diorama in Form eines kurzen
Streckenabschnittes zu bauen, um Modelle ohne großen Auf-wand vor natürlichem Hintergrund photographieren zu können. Dabei sollte das Diorama ein authentisches Vorbild in der Epoche I besitzen. So kam der Gedanke,
einen einfacher Streckenabschnitt mit einer Blechträgerbrücke nachzubilden, deren Vorbild zu Zeiten der GBStB im Streckenverlauf Freiburg - Elzach unmittelbar nach der Jahrhundertwende entstanden und über neunzig
Betriebsjahren nahezu unver-ändert überdauert hat. Diese Blechträgerbrücke steht als einfache Wegüberführung mit einen Durchgang von 4.5 m x 4.0 m am 'Zollstock' etwa 1 km nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof
Elzach. Im weiteren Verlauf der Bahnstrecke in Richtung Freiburg befinden sich weitere Brücken in ähnlicher Ausführung.
Die einspurige Bahnstrecke von Denzlingen über Waldkirch nach Elzach, die heuti-ge DB
Strecke 4311 war zu Zeiten der Badischen Staatseisenbahnen als Querverbindung von Freiburg nach Haslach und damit zum Anschluß an die Schwarzwaldbahn geplant. Das letzte Teilstück dieser Bahn von Waldkirch nach
Elzach wurde 1901 eröffnet. Eine Weiterführung der Strecke von Elzach nach Haslach und damit eine Anbindung an die Schwarzwaldbahn erfolgte jedoch nie.
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Das Vorbild der nachgebauten Brücke mit der DB Inventar Nr. 1*19640 führt westlich des Endbahnhofs Elzach bei km 18.320 über eine Verbindungsstraße zwischen dem jetzt als Industrie- und Sportgebiet
genutzten Gelände und der Bundesstraße B 294. Die Brücke ist als Vollwandträgerbrücke mit obenliegender Fahrbahn ausgeführt (DB-Typ 22, II.A.1.1.2, siehe “Ulrich Boeyng: Eiserne Eisenbahnbrücken in
Baden-Württemberg, ISBN13 9783806211818) und hat eine maximale Stützweite von 5.1 m. Dabei bedeuten
II: Vollwandträger
A: Balkenbrücke in offener Bauweise
1: parallele horizontale Gurtungen
1: Fahrbahn oben auf den Hauptträgern liegend
2: Querverband vollwandig
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Zollstockbrücke, Blick Richtung Yach, ca. Anfang 90er
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Zollstockbrücke, Blick Richtung Westen, ca. Ende 1970
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Die Brücke besteht aus zwei Hauptträgern aus gewalzten I-Profilen, vier vollwandigen parallel verlaufenden Querträgern (horizontale Gurtungen) aus U-Profilen und einem zwischen diesen diagonal
verlaufenden Längsverband aus T-Profilen. Die Gleise liegen direkt auf den Hauptträgern.
Die Widerlager, die Auflagerbänke sowie die Flügel- und Böschungsmauern sind aus unregelmäßig gehauenen Granitblöcken
aufgemauert. Um die Jahrhundertwende wurden solche Steine im Gebiet des Rohrhardsbergs in unmittelbarer Nähe der Stadt Elzach gebrochen und für viele Hochbauten der Badischen Staatseisenbahnen verwendet. Da von der
Brücke keine Zeichnungen mehr existieren, wurde sie vor Ort vermessen. Auf dieser Datenbasis wurde unter Berücksichtigung der auf dem Markt verfügbaren Ms-Profile wurde eine Zeichnung angefertigt, welche nachfolgend
im H0-Maßstab wiedergegeben ist.
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Brückenlager, Quader aus Granitstein
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Das Modell
Das Model der Brücke besteht aus zwei quaderförmigen Auflagern aus Holz und der eigentlichen Brücke in Messingbauweise. In die beiden Brückenauflager wurde jeweils ein Aussparung zur
Aufnahme des Brückenträgers gefräst. Beim Vorbild sind die Kanten zwischen Seiten- und Stirnwand aus regelmäßig angeordneten Steinquadern, der Rest aus unregelmäßig angeordneten, nicht quaderförmigen Steinen
aufgemauert. Da keine entsprechenden Strukturplatten im Handel erhältlich waren, mußten also die Kanten im Übergangsbereich um die Materialstärke der Strukturplatten überstehen und die Fugen in diesem Bereich mit
einem Fräser profiliert werden. In die dem Durchgang zugewandten Seiten wurde jeweils eine Nut mit einer Tiefe von etwa 3 mm gefräst. Ebenso wurde die Materialstärke der Auflager bis auf einen Randbereich im
Anschluß an die Stirnseite um dieses Maß reduziert, so daß im Übergangsbereich zwischen Seiten- und Stirnfläche eine Kante mit einer Breite von 10 mm überstand. Dann wurden die horizontal verlaufenden Fugen wurden
mit einem Scheibenfräser, die vertikalen mit einem Kugelkopffräser nachgebildet. Anschließend wurden die Fugen sowie die Oberfläche der nachgebildeten profiliert. In die Vertiefungen in den Stirnseiten wurden dann
Strukturplatten von Heki (Rundsteinmauerwerk 7006) geleimt, ebenso wurden die Seitenteile mit diesen Strukturplatten aufgefüttert. Der seitliche Abschluß des Schotterbetts im Bereich der beiden Auflager war beim
Vorbild aus regelmäßigen Steinplatten realisiert. Diese wurden aus Holzstreifen mit eingefrästen Fugen und anschließender Oberflächenstrukturierung nachgebildet. Die Abfolge der einzelnen Bearbeitungsschritte zur
Herstellung der Auflager ist in der nachfolgenden Abbildung verdeutlicht.
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Gefräste Auflager mit Bruchstein Imitat
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Für den Aufbau der Brücke wurden die beiden Auflager auf ein entsprechend zugeschnittenes Holzbrettchen geschraubt, wobei der genaue Abstand zueinander einzuhalten war. Anschließend wurden in dieses
Brechen jeweils zwei Bohrungen für Passstifte angebracht. Diese Bohrungen wurden anschließend auf das Grundbrett des Dioramas übertragen. Dadurch war der genaue Abstand der Auflager auf der Grundplatte des Dioramas
vorgegeben.
Nach dem Aufleimen der Strukturplatten wurden die beiden Auflager lackiert. Der Farbton und die Struktur von Granit konnte durch Mischen von weiser Dispersions-farbe, grauer Abtönfarbe und
Steineffektfarbe 'Granit' erreicht werden. Nach der Lackierung waren die Übergänge zwischen den Heki-Strukturplatten und dem regel-mäßigen Mauerwerk nicht mehr sichtbar. Anschließend wurden jeweils die
beiden äußeren Geländer an den Auflagern befestigt.
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Vorläufig montierte Blechträgerbrücke mit den beiden Auflagern
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Die eigentliche Brücke wurde aus Ms-Profilen zusammengelötet. Sie besteht im we-sentlichen aus zwei symmetrischen Längsträgern aus Doppel-T-Profilen mit insge-samt vier innen liegenden
Querverbindungen aus U-Profil und drei Diagonalstreben aus Winkelprofil. Zwei nach innen offene, seitlich etwas über die Längsträger hinausstehende U-Profile bilden den Abschluß der Brücke und sorgen
gleichzeitig für die genaue Lage auf den beiden Auflagern. An diesen Profilen wurden zwei gelochte Ms-Laschen zur Befestigung der Brücke angelötet. Die Knotenbleche für die Abstützung der äußeren Laufbretter und
des seitlichen Geländers sowie die Knotenbleche zwischen Längsträgern und Querverbindungen wurde als gemeinsame Blechteile ausgesägt. Dadurch konnte die Positionierung der einzelnen Teile beim Zusammenbau
wesentlich erleichtert werden. Für die Nachbildung der genieteten Winkelprofile wurden Ätzbleche mit Nietimitation von Bavaria verwendet. Das Geländer ist wie beim Vorbild dreiteilig. Es wurde aus Winkelprofilen
zusammengelötet. Für die genaue Einhaltung der Abstände sowohl der senkrechten Stützen als auch der waagrechten Profile wurde eine Lehre angefertigt. Der mittlere Teil des Geländers enthält zwei Schlösser zum
Anschluß der beiden äußeren Geländerstücke und wurde direkt an die Brückenkonstruktion gelötet. Die Brücke wurde mit den beiden Auflagern verschraubt. Die Spritzlackierung der Brückenkonstruktion erfolgte mit
M+F-Farben 'Schweizer Maschinengrau' (Reitz) und anschließender Alterung mit Rostbraun. Die Schienenfüßchen (Weinert) zur Aufnahme des Schienenprofils wurden auf jeweils einen Blechstreifen gelötet und
nach der Lackierung mit einen Kunststoffstreifen isoliert auf die beiden Längsträger geklebt. Somit ist auch ein Fahrbetrieb möglich.
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Einzelteile der Blechträgerbrücke: Grundkonstruktion, Fahrbahnstreifen mit Kleineisen, Geländer und Bretterbelag
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Blechträgerbrücke montiert
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Anordnung der Schwellen auf den beiden Auflagern
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Der Bahnkörper
Das Diorama wurde auf einer Grundplatte mit 25 x 110 cm aufgebaut. Die Gestal-tung des Bahnkörpers erfolgte in Anlehnung an die Richtlinien der Badischen
Staatseisenbahnen, wie sie in dem Buch 'Normalzeichnungen und Normalmaße der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen' von 1906' für eingleisige Strecken (Stand 1891) wiedergegeben
sind. Demzufolge wurde bei den Böschungen eine Neigung von 2:3 eingehalten. Die wichtigsten Maße und Winkel sind in der nachfolgenden Zeichnung wiedergegeben.
Der Bahndamm wurde aus
Styroporteilen zugeschnitten. Um eine einheitliche Höhe zu garantieren, wurde mittig ein senkrechtes Brett in Längsrichtung auf die Grundplatte aufgeleimt und die Styroporteile beidseitig angeleimt.
Die Höhe der Styroporformteile wurde an das senkrechtstehende Brett angepaßt. Der Ausschnitt für die Brücke einschließlich der beiden gemauerten Auflager wurde dabei ausgespart. Der gesamte
Bahnkörper wurde mit Geländevlies von Noch abgedeckt und anschließend mit Geländebaumörtel von Busch mehrfach bestrichen. Dieser Mörtel wurde mit Abtönfarbe erdfarben eingefärbt. Auf den Bahnkörper
wurde die eigentliche Gleisbettung aus handelsüblichen, seitlich abgeschrägten Korkstreifen geklebt.
Als nächstes wurde Holzschwellen der Fa. Schuhmacher im Abstand von jeweils 5 mm auf den
Bahnkörper aus Kork geleimt. Im Bereich der beiden gemauerten Auflager wurden die Schwellen auf einen dünnen Sperrholzstreifen geleimt.
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Bahnkörper aus Styropor mit Aussparungen für die beiden Brückenauflager
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Integration und Finish
Nach dem Einbau der kompletten Brücke in das Diorama wurden die Gleisprofile (Muschal Modellbau, 1.7 mm, 1022) verlegt. Diese wurden zuerst in die
Schienen-füßchen von Weinert () auf den beiden Auflagern eingefädelt und anschließend auf dem Bahnkörper außerhalb der Brücke fixiert. Hierfür waren die Schienenklammern von Krauß eine
unerläßliche Hilfe. Anschließend wurden die Gleisprofile mit Schienenfüßchen und Nägeln von Schuhmacher auf den Schwellen und dem Bahnkörper befestigt. Abschließend wurde die Strecke mit
gebrochenem Basaltschotter der Modelleisenbahnfreunde Breisgau eingeschottert und farblich nachbehandelt. Die Böschungen wurden begrünt, mit Bepflanzungen aufgelockert, fixiert und ebenfalls
farblich gealtert.
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Die fertige Brücke, begrünt und gealtert
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Zollstock-Brücke mit VIb und Packwagen
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