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Die württembergischen Schnellzuglokomotiven der Klasse AD
Das Vorbild
Zwischen 1899 und 1907 stellte die K.W.St.E. 98 2’B – Schnellzuglokomotiven der Klasse AD in
Dienst. Da bereits gute Erfahrungen mit dem Zweizylinder - Verbundtriebwerk vorlagen, kam dieses mit außenliegenden Zylindern und entlasteten Flachschiebern (Nr. 441 bis 500) bzw. geneigten Kolbenschiebern (Nr. 1501
bis 1538) zur Anwendung. Die beiden charakteristischen Dampfdome mit dem großkalibrigen Verbindungsrohr, die geschwungene Rauchkammerseitenverkleidung sowie der Kranzschornstein bewirkten ein harmonisches
Erscheinungsbild dieser Lokomotiven. Ab 1907 wurden 17 Heißdampfmaschinen der Klasse ADh mit nahezu unveränderten Abmessungen gebaut. Einzelne Lokomotiven der Klassen AD und ADh standen bis Anfang der 30er Jahre im
Schnellzugdienst.
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Württ. AD 476 (Quelle: Academic)
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Das Modell
Gut 80 Jahre nach Auslieferung der letzten ADh erschien von der Fa. Lemaco ein Kleinserienmodell der ADh sowohl in Reichsbahn- als auch in Länderbahnausführung. Im
Folgenden wird der Umbau zweier Lemaco ADh – Modelle in eine Länderbahnversion als AD 476 um die Jahrhundertwende sowie in die Reichsbahnausführung 13 1607 Anfang der dreißiger Jahre beschrieben.
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Originalmodell von Lemaco, ADh 1543
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Originalmodell von der Lokführerseite
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Wichtige Voraussetzungen für den Umbau waren Betriebsaufnahmen von Heizer- und Lokführerseite sowie genaue Zeichnungen, zumal insbesondere für die Nachbildung des Zylinderblocks mit den beiden
unterschiedlichen Zylindern verschiedene Ansichten notwendig waren. Einer Skizze der AD aus dem Archiv der Maschinenfabrik Esslingen konnten die für den Nachbau notwendigen Abmessungen entnommen werden. Für die
Nachbildung der Reichsbahnversion wurde die Maschine mit der Ordnungsnummer 13 1607 (AD 461) gewählt, da von dieser Lok insgesamt drei Abbildungen vorlagen, darunter die einzige bekannte Aufnahme einer
umgezeichneten Reichsbahn – AD. Von der AD 476 war leider nur ein Bild der Lokführerseite verfügbar. Allerdings unterscheiden sich die Lokomotiven der Klasse AD zum damaligen Zeitpunkt recht wenig, so dass
die Abbildungen der Heizerseite von Maschinen mit anderer Ordnungsnummer ausreichten.
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Fahrwerk der AD mit neuem Zylinderblock
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Fahrwerk
Nach Demontage von Lokomotive und Tender wurden alle Teile bis auf die Räder abgebeizt. Das Abbeizen des Lokomotivfahrwerks ist überflüssig, wenn man die neu gefertigten
Halter für die Steuerwelle an den Fahrwerksrahmen klebt und nicht lötet. Zentrales Bauteil für den Umbau war der neue Zylinderblock, da von dessen Geometrie die Aussparungen im Umlaufblech und in der
Rauchkammerverkleidung abzuleiten waren. Die Grundeinheit für den Zylinderblock bildeten die beiden identischen Stirnseiten, die durchgehenden Kolbenstangenschutzrohre und zwei Hülsen als Zylinderkörper. Auf
dieser Grundeinheit wurden zwei Blechstreifen mit den entsprechenden Aussparungen für die Schieberkasten abgewickelt. Die Schieberkasten wurden aus Rechteckrohr und Blechstreifen gefertigt. Die aus Rundmaterial
gedrehten Zylinderdeckel sowie die Gleitbahnhalterungen, die durch Abdrehen der hinteren Zylinderdeckel des Ausgangsmodells entstanden, wurden auf die durchgehenden Kolbenstangenschutzrohre geschoben und
verlötet. Nach dem gleichen Prinzip entstanden die vorderen und hinteren Abdeckungen für die Schieberkasten. Ein Messingrohr diente gleichzeitig als Führung der Schieberstange und als Zentrierhilfe für die
Schieberkastendeckel und die Anfahrhilfe auf der Niederdruckseite. Abschließend wurde der Zylinderblock mit den aus Ms-Blech gefertigten Schieberkastendeckeln, den Entwässerungshähnen und den Schraubenköpfen,
die von dem Ausgangsmodell entnommen wurden sowie mit der Armatur für die Anfahrhilfe (Fa. Fuchs, bay. BXI) komplettiert.
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Rechte Seite der AD 476
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Heizerseite der AD 476
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Lokführerseite der 13 1607
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Linke Seite der 13 1607
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Die Steuerung konnte nahezu unverändert übernommen werden, lediglich die Positionen für Schieber- und Schieberschubstangen am Voreilhebel mussten getauscht werden. Außerdem
unterscheiden sich AD und ADh in der Art der Umsteuerung. Bei der AD verläuft die Steuerstange nahezu parallel zum Umlaufblech und wird zusätzlich am Luftpumpenträger in einer Kulisse geführt.
Steuerstange und Steuerstangenhebel wurden aus Bronzestreifen neu gefertigt. Die Steuerwelle liegt bei der AD weiter zurück auf Höhe des dritten Kesselrings (von hinten gezählt) und die beiden
Aufwurfhebel zeigen nach vorn. Diese wurden aus einem P8 – Zurüstteil (Reitz 1130) gefertigt, wobei die Angüsse der Gussteile als Steuerwellenzapfen dienten. Ein Blechwinkel mit Bohrungen
zur Aufnahme dieser Zapfen wurde zwischen die beiden Rahmenwangen gelötet.
Zu den abschließenden Arbeiten am Fahrwerk gehörten u.a. das Anbringen von Stangenpuffern für die
Länderbahnausführung (gekürzte und aufgebohrte Pufferhülsen von Weinert in Verbindung mit den original Lemaco - Puffertellern für die Reichsbahnausführung) sowie das Installieren eines
beweglichen Tachoantriebs.
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Die beiden Maschinen im Vergleich (hinten 13 1607, vorne AD 476)
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Umlauf, Kessel und Führerhaus
Nach dem Entfernen der durch den Kessel gehenden Rauchkammerverkleidung im Ausgangsmodell wurde das Umlaufblech für die
überstehenden Schieberkasten ausgespart. Bei der Länderbahn – Ausführung mussten die beiden Sandkasten um 180° gedreht werden, damit die eingelassene Vertiefung zur Aufnahme des
Firmenschilds zum Kessel zeigt. Die zweistufige Luftpumpe wurde durch eine einstufige glatte Ausführung (Länderbahnausführung) bzw. gerippte (Reichsbahnausführung) ersetzt. Als schwierig
erwies sich das Verschließen der beiden Aussparungen im Kessel durch die etwas höher und weiter hinten angesetzte Rauchkammerverkleidung der ADh, zumal sich diese Aussparung auch noch über
einen Kesselring hinaus erstreckt. Deshalb wurde zuerst eine Hülse mit Kesseldurchmesser samt Kesselring gedreht, zugeschnitten und in die Aussparung eingepasst. Da der Kessel aus geätztem
Blech gerollt und deshalb nicht exakt rund ist, wurde ein passender Ring gedreht und in den Kesselmantel gedrückt. Dieser sorgt dafür, dass der Kessel im Bereich des Rauchkammerübergangs nun
rund ist und dient gleichzeitig als Anschlag für die nach hinten gerückte Rauchkammerrückwand. Die nach außen geschwungenen Rauchkammerseitenwände wurden aus einem zugesägten, dünnwandigen
Messingrohr gefertigt und im Bereich der Stirnseiten mit angepassten Blechen verschlossen. Die flache, gewölbte Rauchkammertür entstand durch Abdrehen der Originaltür und Verschließen des
dabei entstandenen Kernlochs mit Rundmaterial. Bei dem Verschlussknebel handelt es sich um ein M+F – Bauteil.
Für die Länderbahnausführung wurde auf den Schlot der Serienmaschine
ein Ring gelötet und anschließend profiliert. In der Rauchkammer wurde das lokführerseitige Einströmrohr entfernt (Verbundmaschine!) und unter der Rauchkammer ein abgewinkelter
Entwässerungsstutzen angebracht. Ein Großteil der Leitungen und alle Griffstangen wurden entfernt und vorbildgerecht neu positioniert. Bei der Länderbahn – Ausführung wurden alle
Armaturen am Langkessel und auf dem Umlaufblech entfernt und die Bohrungen zur Positionierung derselben verschossen. Außerdem wurde das Sicherheitsventil auf dem Stehkesselscheitel verlegt.
Die Änderungen am Führerhaus beschränkten sich auf das Austauschen des Steuerbocks gegen einen Handhebel und das Anbringen des Auslösegestänges für die Dampfpfeife auf dem Dach der
Länderbahnversion.
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Das Modell der AD mit abgenommenem Führerhaus zeigt die geänderte Umsteuerung mit Handhebel
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Tender
Bei der Reichsbahnversion wurden an der Stirnseite des Tenders die Werkzeug- und Kleiderkasten aus Blech nachgebildet. Die Bretter auf dem Kohlekasten
wurden aus Lindenholzstreifen gefertigt und in I-Profilen gelagert.
Der Tender für die Länderbahnversion blieb unverändert, zumal diese Maschinen in der Anfangszeit ausschließlich
mit zweiachsigen Tendern vom Typ XIV gekuppelt waren. Vielleicht wird zu einem späteren Zeitpunkt ein zweiachsiger Tender realisiert.
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13 1607 mit Tender
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Lackierung, Beschriftung und Finish
Die Spritzlackierung erfolgte mit Farben von M+F (Vertrieb Reitz, Grundierung 13025, schwarz 13031, rot 13030) und
Revell (grün 361). Die Ordnungsnummer des Reichsbahnmodells wurde aus Schildern von Schnabel gefertigt, die der Länderbahnversion wurden geätzt. Darüber hinaus konnten Teile der
Lemaco – Serienbeschriftung weiter verwendet werden. Anschließend wurden beide Modelle mit schwarzem Sprühnebel überzogen, insbesondere um die Leuchtintensität des roten
Fahrwerks abzumildern und den Unterschied zwischen Tenderfarbe (Lemaco, unverändert) und neu lackierter Lokomotive (grün Revell) zu minimieren.
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Lackierte und Beschriftete AD 476 von rechts...
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...und mit Tender von links
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13 1607 mit Tender von der Lokfürerseite
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Unterschiedliche Frontpartien von ADh (hinten) und AD (vorn)
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Literaturverzeichnis
Obermayer: Taschenbuch Deutsche Dampflokomotiven, Franckh`sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1979
Lohr/Thielmann: Lokomotiven Württembergischer Eisenbahnen, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1988
Weisbrod/Müller/Petznick: Deutsche Dampflokomotiven, Baureihe 01-39, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1978
Albert Mühl, Kurt Seidel: Die Württembergischen Staatseisenbahnen, Theiss, 1980, ISBN: 3806202494
Hans Kobschätzky: Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen, Kosmos, Stuttgart 1982, ISBN 3-440-04815-2
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