Bau einer württ. T4
 

Vorbild

Als die dreifach gekuppelten Lokomotiven der württ. Gattung T3 den höheren Anforderungen für den Schiebedienst auf der Geislinger Steige (Strecke Geislingen – Ulm) nicht mehr genügten, beschaffte die Württ. Staatsbahn von 1907 bis 1909 insgesamt acht neue Tenderlokomotiven der Bauart Dn2, die als Gattung T4 eingereiht wurden. Diese waren die schwersten vierfach gekuppelten Tenderlokomotiven ihrer Zeit und wurden später von der DRG als Baureihe 921 (92 101 bis 92 108) übernommen.

 

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Württ. T4 (Quelle: Wikipedia)
 

Modell

Das hier beschriebene Modell der württ. T 4 war bereits vor einigen Jahren als kompletter Neubau entstanden. Es entsprach aber weder in der Antriebstechnik noch in der Detaillierung dem heutigen Stand (1987!) und wurde deshalb grundlegend umgebaut.

Das Fahrwerk besteht aus zwei geätzten Rahmenwangen, in denen die Radsätze federnd gelagert sind. Die Räder sind von Fleischmann (BR 64), die Gegengewichte wurden aus Messing gefertigt. Über den Ausschnitten für die Achsen wurden U-Profile auf die Rahmenwangen gelötet. In ihnen werden Federn mit rechteckigem Querschnitt – wie sie in Gliederbändern für Armbanduhren eingesetzt werden – geführt. Die Treibachse wird indirekt über die Motor-/Getriebeeinheit abgefedert.
 

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Fahrwerksrahmen
 

Der Antrieb des Modells erfolgt über ein kombiniertes Riemen-/Schneckengetriebe. Das dreifach teilbare Schneckengetriebe besteht aus zwei Getriebeschalen und einer Bodenplatte. Die Getriebeschalen wurden aus Messingblech und Vierkantprofilen zusammengelötet. Getriebe dieser Bauart werden hauptsächlich von asiatischen und amerikanischen Herstellern eingesetzt. Im vorliegenden Fall wurde ein ähnliches Getriebe konzipiert, wobei der Faulhabermotor direkt auf dem Getriebebloch befestigt ist. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Riemenantrieb. Die Vorteile dieser kompakten Antriebseinheit liegen auf der Hand: es ist keine zusätzliche Motorlagerung erforderlich und das Übersetzungsverhältnis ist über die Dimensionierung der Riemenantriebs in einem großen Bereich möglich. Außerdem ermöglicht es eine sinnvolle Trennung von Drehzahlübertragung (Riemenantrieb) und Drehmomentübertragung (Schneckenantrieb).
 

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Getriebeblock mit Schnecke und Schneckenrad (Roco)
 

Durch Abschrauben einer durchgehenden Bodenplatte mit nachgebildeter Bremsanlage und Entfernen der unteren Getriebeabdeckung kann der komplette Radsatz samt Kuppelstangen aus dem Fahrwerk entnommen werden. Die Stromabnahme erfolgt über angefertigte Pilzstromabnehemer, die in die Rahmenwange eingelassen sind. Da die verwendeten Räder nabenisoliert sind, war es erforderlich, die Baugruppen Zylinder und Steuerung mit Steuerungsträger gegen den Rahmen zu isolieren.
 

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Blick von unten auf das Modell
 

Viel Sorgfalt war für die Anfertigung der filigranen Steuerung erforderlich. Die gelenkig ausgeführten Kuppelstangen wurden aus Neusilberblech gefertigt. Über die rechte Kuppelstange wird der Tachometer angetrieben. Die Schieberschubstangen bestehen aus jeweils zwei zusammengelöteten Neusilberstreifen, deren Enden zu einer Gabel aufgebogen wurden. Passende Voreilhebel fanden sich im Bauteilesortiment der Fa. Weinert. Kreuzköpfe und Steuerungsnieten wurden von Modellbau Fuchs bezogen. Der Steuerungsträger ist direkt mit dem Zylinder verbunden, so dass nach Lösen der Zylinderbefestigungsschraube und der Treibzapfenschraube die komplette Steuerung samt Zylinder vom Rahmen entnommen werden kann.
 

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Zylinder, Steuerungsträger und komplette Steuerung
 

Die Pufferbohlen wurden mit Federpuffern, Doppelhakenkupplung und Bremsschläuchen bestückt (Micro, Reitz). Die württ. Laternen waren Restbestände eine RaiMo – Bausatzes.

Führerhaus und Wasserkasten wurden direkt auf das Umlaufblech gelötet. Die geätzte Nietimitation wurde mit Hilfe von Letraset erstellt. Komplettiert wurde der Aufbau mit feinen Griffstangenhaltern und Wasserstandprüfhähnen (Micro), Aufstiegstritten (M+F UK) und Injektoren (Fuchs). Alle Griffstangen sind aus Stahldraht mit Durchmesser 0,3 mm.
 

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Heizerseite der T4
 

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Lokführerseite der T4
 

Die Führerhausinneneinrichtung besteht aus der Kohlenkastenrückwand mit Wurfhebelbremse sowie dem Stehkessel. Beide Baugruppen können nach Abnahme des Führerhausdachse nach oben entnommen werden. Der Stehkessel ist mit zahlreichen Armaturen bestückt. Die Feuertür kann geöffnet, die Spindel zur Umsteuerung gedreht werden. Führerhausboden und –decke sind mit dünnen Holzpanelen verkleidet.
 

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Blick ins geöffnete Führerhaus. Das Dach wird nur geklemmt.
 

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Nachbildung von Stehkessel und Kohlekastenrückwand
 

Der Kessel verfügt über eine Rauchkammerinneneinrichtung mit Blasrohr, Dampfleitungen und Rauchkammerrückwand mit angedeuteten Rauch- und Siederohren. Außer den Zurüstteilen wie Luftpumpe (Weinert), Griffstangenhalter (Weinert, Micro), Sicherheitsventil (Günther) und dem Dampfdomschmierventil wurden alle Teile selbst angefertigt oder bestehende modifiziert.
 

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Ansicht von oben, Führerhausdach abgenommen.
 

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T4 853 im Diorameneinsatz
 

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T4 853, jetzt mit vollständiger Beschriftung
 

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T4 von Model Loco (MC - Spezial 1)

Einige Jahre nach Fertigstellung erschien ein Bausatz der T4 von Model Loco, der exklusiv über die MC-Fachgeschäfte vertrieben wurde (MC - Spezial 1). Das Gehäuse war komplett aus Weißmetall gefertigt, der Rahmen war aus Ms-Blech geätzt. Einige Zurüstteile aus Ms-Guß waren beigelegt, außerdem eine brauchbare Ätzbeschriftung. Das Modell konnte allerdings in der Auslieferungsform wenig überzeugen: Räder von Romford mit Vierkantaufnahme und Achsenbefestigung mit geschlitzten Rundmuttern, Radsätze mit falscher Speichenanzahl, nach unten nicht aus dem Rahmen herausnehmbar, Fernost Low Cost – Motor, nicht detailliertes Fahrwerk und stark vereinfachte Steuerung waren Kennzeichen dieses Bausatzes. Trotzdem wurde ein Bausatz zusammengebaut und soweit es möglich war, optimiert. Dazu gehörten ein Austausch der Räder und des kompletten Antriebs sowie eine Änderung der Stromabnahme. Im Bereich von Zylinder und Steuerung wurden u.a. die Kolbenstangenflansche neu angefertigt, die Befestigung der Treibstangen an den Kreuzköpfen geändert, die Voreilhebel getauscht. Somit entstand doch noch ein halbwegs brauchbares Modell.
 

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Austauschgetriebe von NWSL (Bezugsquelle Old Pullman)
 

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T4 858 von Model Loco (modifiziert) von der Lokführerseite
 

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T4 858 von Model Loco (modifiziert) von der Heizerseite
 


Literaturverzeichnis

  • Obermayer: Taschenbuch Deutsche Dampflokomotiven, Franckh`sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1979
  • Lohr/Thielmann: Lokomotiven Württembergischer Eisenbahnen, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1988
  • Weisbrod/Müller/Petznick: Deutsche Dampflokomotiven, Baureihe 60-96, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1978
  • Albert Mühl, Kurt Seidel: Die Württembergischen Staatseisenbahnen, Theiss, 1980,
    ISBN: 3806202494
  • Hans Kobschätzky: Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen, Kosmos, Stuttgart 1982, ISBN 3-440-04815-2
     

 

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