Während die Konstruktionen aus der Breitspurepoche vermutlich mit den Fahrzeugen verschwanden, bekleidet uns die im Folgenden beschriebene Konstruktion durch die gesamte Dampflokepoche, einige sind uns glücklicherweise bis heute erhalten geblieben.

Neben den funktionellen Anforderungen legte man bei bahntechnischen Einrichtungen im Badischen auch Wert auf das optische Erscheinungsbild und auf die Ästhetik. So wiesen diese freistehenden Wasserkräne zahlreiche Verzierungen auf. Vermutlich geht dieser Einfluss auch auf F. Eisenlohr zurück. In seinen Werken finden wir viele ähnliche Stilelemente, wie z.B. die Rosetten und die Blattornamente, so z.B. in “Ornamentik in ihrer Anwendung auf verschiedene Gegenstände der Baugewerke”, erschienen 1849 in “Carlsruhe”.
 

Wasserkran alt_600


Im Gegensatz zu den Ausführungen der Breitspurepoche und der anderer Bahnverwaltungen bildeten Standrohr und Ausleger im Folgenden in Baden eine Einheit, diese wurde im unteren Drittel über ein (Kugel-) Lager abgestützt (hier im Übergang vom achteckigen zum runden Querschnitt angeordnet). Der Absperrschieber mit rechteckigem Schieberkasten war in einem Schacht angeordnet und trennte den Wasserkran von der Wasserversorgung. Außerdem konnte mit dem dafür vorgesehenen Hebel auch das im Wasserkran verbleibende Wasser entleert werden. Diese Ausführung dominierte im Zeitraum zwischen 1860 und 1900. Die ursprünglichen Schieber wurden im Laufe der Zeit durch zeitgemäße Absperrorgane, die über eine Spindel mit Handrad betätigt werden konnten, ersetzt. Diese Ausführung wurde erstmals um 1860 im Organ vorgestellt.

Mit Vergrößerung der Lokomotiven war bald die ursprüngliche Auslaufhöhe von 2,4 m nicht mehr ausreichen. So wurden unterschiedliche Lösungen praktiziert, die Auslaufhöhe auf 3,2 m zu erhöhen, meistens durch Einsatz eines Zwischenstücks in das vertikale Standrohr.
 

Wasserkran_alt_mit_1c_60_600

    Eine Maschine der Gattung Ic wird in Lauda gespeist. Elegant und scheinbar mühelos betätigt der Verantwortliche den Schieber für den Wasserkran.
     

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        3D-Modell der Ursprungsausführung. Die Jugendstil-Ornamentik ist teilweise vereinfacht.
         

Wasserkran_Grombach_1915

      Wasserkran in Grombach, zeitgenössische Ansichtskarte ca. 1915

Von dieser Bauart ist der modifizierte Wasserkran in Bad Herrenalb erhalten geblieben, der ursprünglich in Gernsbach aufgestellt war und 1980 nach Bad Herrenalb gekommen ist. Die erforderliche Höhe wurde durch Einsatz eines Zwischenstücks erreicht. Das gusseiserne waagrechte Rohr wurde inzwischen durch eine Schweisskonstruktion ersetzt, der Segmentbogen passt nicht mehr zum ursprünglichen Stil. Ebenso wurde die Abstützung ergänzt und der Schieber ersetzt.
 

Wasserkran_Herrenalb_600

        Ein weiterer nahezu im Originalzustand erhalten gebliebener badischer Wasserkran steht in Weizen, dem Endbahnhof der museal betriebenen Wutachbahn.

 

Wasserkran als Spur 1 - Modell
 

Wasserkran in Polygrafieausführung

Bedingt durch die vielen Ornamentik - Details war bereits die Nachbildung als 3D-Modell eine Herausforderung. Auf Basis einer etwas vereinfachten 3D-Modellierung wurden zwei Versionen als 3D-Druck realisiert.

Bei der ersten Version, einer Nachbildung des Wasserkrans in Ursprungsausführung entsprechend der Zeichnung aus den badischen Normalien von 1871, wurde das Modell zweiteilig als Polymer gedruckt (Standrohr mit Ausleger sowie Grundblatte mit Fuß). Bei diesem Polygrafie-Verfahren wird Schicht für Schicht ein Photopolymer aufgebracht und anschließend mittels UV-Licht ausgehärtet. Das Bauteil wird durch einen Druckkopf, der ähnlich wie der Druckkopf eines Tintenstrahldruckers arbeitet, schichtweise aufgebaut. Das zunächst im Drucker flüssige Material verhärtet sich, wenn Schicht für Schicht nacheinander mit UV-Licht belichtet wird. Da die Teile liegend gedruckt wurden, sind leider keine exakt kreisrunden Querschnitte möglich. Bewegliche Details wie Hebel zum Drehen bzw. zur Arretierung des Auslegers sowie zur Betätigung des Ventils wurden aus Stabilitätsgründen händisch aus Messing gefertigt. Aufgrund des transparenten Werkstoffs ist eine abschließende Bewertung wohl erst nach einer Lackierung möglich.
 

Wasserkran_1866_600

        Wasserkran in Polygrafieausführung mit Messing - Zurüstteilen
         

Wasserkran in Bronze - Ausführung

Als bekennender Vertreter der „Messingfraktion“ wurde eine Nachbildung eines Wasserkrans mit Flansch aus Metall realisiert. Standrohr, Rohrkrümmer, Sockel und die Hebel wurden als Wachsdruck in Auftrag gegeben und anschließend in Bronze gegossen. Auf Basis der für den Druck benötigten stl – Dateien wurden unmittelbar nach dem Upload die Preise für unterschiedliche Materialen angezeigt und der Bestellvorgang eingeleitet. Fertigungsbedingt musste das Modell geringfügig modifiziert und einige Details entfeinert werden. Die Gussteile aus Bronze sind im Vergleich zu Messing ausgesprochen hart, aber nicht spröde und gut lötbar. Messingteile werden beim gewählten Dienstleister nicht unbehandelt angeboten sondern nur mit einer PU-Beschichtung, was die weitere Bearbeitung erschwert hätte. Die Fertigstellung der Gussteile betrug knapp 3 Wochen.

Die Grundplatte wurde aus Messingblech gefertigt und mit dem Bodenflansch als Drehteil sowie den Stehbolzen komplettiert. Ein besonders Gimmick ist, dass das Modell innen durchgehend hohl ist. Das spart Material und somit Kosten. In den drehbaren Ausleger wurde ein Messingrohr gelötet, das durch den Standfuß geführt wird, so dass dort eine Pumpe angeschlossen werden kann. Im vorliegenden Fall war dies versuchsweise eine programmierbare Schlauchpumpe aus dem Aquarienbedarf. Somit ist sogar ein genaues Dosieren von Speisewasser für ein Lifesteam – Modell möglich.
 

Wasserkran_1866_animiert

    Wasserkran in Aktion
     

Wasserkran im Messingausführung

Aufgrund vielfältigen positiven Zuspruchs wird der Wasserkran zeitnah in einer Kleinstserie in Messingguss realisiert. Aus Kostengründen wird auf die Möglichkeit, Wasser zu fördern, verzichtet. Bei dieser Ausführung wird auf Basis eines hochdetaillierten Wachsplots eine Silikonform angefertigt. Interessenten können sich gerne per mail melden. Der Selbstkostenpreis wird ca. 160,- € betragen.

 

 

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