Um die Jahrhundertwende wurden neue Konstruktionen der Fa. Bopp und Reuther für die Wasserversorgung der Lokomotiven eingesetzt. Es waren schlichte Konstruktionen mit Nennweiten von 150 bzw. 200 mm. Nach wie vor waren Standrohr und Ausleger eine Einheit, verbunden über einen 90°- Krümmer. Rohre und Krümmer waren mit Flanschen verbunden. Die drehbare, kugelgelagerte Einheit war in einem konischen festen Fußteil angeordnet und über eine Stopfbüchse abgedichtet. Der Absperrschieber war wie zuvor in einem Schacht angeordnet. Er wurde über eine Spindel mit Handrad betätigt. Zur Vermeidung von Wasserschlägen war ein Windkessel über ein T-Stück angeschlossen.
 

Wasserkran_D150_o-300T

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3-D Modell des bad. Wasserkrans mit Nenndurchmesser 150 mm, links ohne Schacht und ohne Abdeckung.
 

Wasserkräne mit Nennweite 150 mm lieferten 1,3 m³/mim Wasser, wenn sie nur von einer Seite gespeist wurden. Die Kapazität konnte durch Anordnung eines Gegenwasserbehälters auf 2,5 bis 2,8 m³/mim erhöht werden. Der Wasserkran wird dabei sowohl vom nächstgelegenen Wasserturm als auch vom Gegewasserbehälter (Volumen 10 bis 15 m³) gespeist.

Bad Wasserkran Erzingen 1967_600

Nebenstehende Abbildung zeigt einen badischen Wasserkran wie oben beschrieben mit Nennweite 150 mm.

Deutlich zu erkennen der Hebel zum Drehen und gleichzeitig zur Arretierung des Auslegers.

Die Spindel mit Handrad zur Betätigung des Absperrventils ist hinter dem Standrohr und nur schwach zu erkennen.

Am Ausflusskrümmer ist ein konischer Sack als Spritzschutz befestigt. Auf dem waagrechten Teil des Auslegers ist eine Signallaterne angeordnet.

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Wasserkran_D200-300T

3-D Modell des bad. Wasserkrans mit Nenndurchmesser 200 mm, links ohne Schacht und ohne Abdeckung.
 

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Überbleibsel aus der alten Zeit: Badischer Wasserkran mit Nennweite 200 mm. Vermutlich um höher liegende Wasserkasten beschicken zu können (oder durch Reparatur bedingt) wurde zwischen vertikalem Standrohr und Krummer ein zweites Rohrstück mit Flansch nachgerüstet.

 

Wasserkran D200 von Bopp&Reuther als Spur 1 - Modell

Während meiner Recherchen zu den verschiedenen Typen der in Baden verbreiteten Wasserkräne kam der Wunsch auf, einige dieser Wasserkräne im Maßstab 1:32 nachzubauen.

Nachgebaut werden sollte als erstes ein Wasserkran mit festem Auslegerrohr mit einem Nenndurchmesser von 200 mm. Der ausgewählte Typ wurde u.a. von Bopp und Reuther in Mannheim für die Bad. Staatsbahn gefertigt. So ein Teil sieht ja eigentlich einfach aus, Drehteile anfertigen, ein paar Rohre und Profile ablängen, zusammenlöten – fertig. So der Plan.

 

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Zeichnung des Wasserkrans von B&R, abgeleitet aus dem 3D - Modell


Wie so oft steckt die Tücke im Detail: Wie kann man die 90° Rohrkrümmer nachbilden?
Passende Teile gibt es nicht, Cu-Fittinge haben nicht den passenden Durchmesser und schon gar keine so engen Krümmungsradien, Biegen von Rohr oder Rundmaterial ist nicht möglich ohne dass sich der Querschnitt verformt. Die Option 3D-Druck wurde bei diesem Projekt bewusst ausgeklammert. Was bleibt? Die Lösung für mich war das Drehen von jeweils zwei Halbrund-Tori (Donuts) aus Ms-Rundmaterial mit einem passenden konkaven Radienstahl. Aus den beiden zusammengelöteten Hälften wurden dann Segmente für die Krümmer herausgesägt und die beiden Enden mit Flanschen bestückt. Nachdem das Hauptproblem gelöst wurde, konnten die anderen vergleichsweise einfach nachzubildenden Teile gefertigt werden. Die Flansche wurden gedreht, mithilfe des Teilapparates gebohrt und zusammengelötet. Beim Bau des Wasserkrans lernte ich erstmals die Vorzüge des Widerstand – Lötgerätes richtig schätzen, welches vor einiger Zeit Bauprojekt in einem Nachbarforum war. Nach Fertigstellung werden die Flansche mit Stehbolzen und Muttern M 0,6 von Knupfer bestückt.

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Anfertigen der “Donuts” auf der Drehbank

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3D-Modell des Krümmers (links) und fertige “Donuts” (rechts)

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Fertig bestückter Krümmer (links) und Zwischenflansch als 3D-Modell (rechts)

Ein weiteres Teil, das einigen Aufwand bei der Herstellung erforderte, war das Zwischenstück zwischen dem Fuß des Wasserkrans und dem vertikalen Rohr. Um die beiden Lagerplatten für den Schwenkhebel positionieren und befestigen zu können, wurde das Zwischenstück nicht im Ganzen als Drehteil gefertigt sondern aus drei Einzelteilen zusammengesetzt. Dadurch war es möglich, Schlitze zur Positionierung der Lagerplatten in den Rohrstutzen einzufräsen. Vor dem Auflöten des Doppelflansches mussten die sechs Verstärkungsrippen eingesetzt werden. Zu deren Ausrichtung wurde eine universelle Montagehilfe angefertigt. Das Zwischenstück wurde aus insgesamt 30 Einzelteilen gefertigt, Fleißarbeit.
 

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Einzelteile für den Zwischenflansch

Als nächstes wurde der Fuß des Wasserkrans in Angriff genommen. Er wurde zweiteilig realisiert und besteht aus einem Flansch mit den Stehbolzen zur Befestigung auf dem Fundament sowie einem konischen Drehteil mit abschließendem Bund. In den Bund wurden zwei Schlitze eingefräst, in die dann zwei Blechstreifen eingelötet wurden. Sie dienen später zur Arretierung des beweglichen Auslegers.
Der Fuß eines abweichenden Originalwasserkrans (mit ausziehbarem Ausleger) ist noch im Karlsruher Bahnhof erhalten geblieben. Dieser hat zusätzlich Rippen zur Verstärkung, Am Fuß des Zwischenteils ist das Lager für die Abstützung des verschiebbaren Auszugrohrs zu erkennen.
 

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Originalfuß eines Wasserkrans im Karlsruher Bahnhof (links) und 3D-Modell (rechts)

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Drehteile für den Fuß

Der vordere Krümmer wurde analog zu dem weiter oben bereits beschriebenen Flanschkrümmer gefertigt, jetzt allerdings ohne die beiden Doppelflansche. Am Auslaufende ist ein Bund vorhanden, dieser wurde aus einem Rohrstück gedreht. Die beiden Rohstücke für Ausleger und Standrohr wurden aus Ms-Rohr gefertigt. Anschließend wurden die Teile zusammengelötet. Dazu wurde eine Schablone aus Holz benutzt, schließlich sollten die Teile fluchten und Standrohr und Ausleger rechtwinklig zueinander sein. Die Abstützung wurde aus 2 mm Rundmessing gefertigt. Die Schellen zur Befestigung der Abstützung an den Rohren sind Blechstreifen, die entsprechend gebogen sind. Zum Bohren dieser Teile wurde eine Lehre angefertigt. Die Einzelteile wurden mit Schrauben und Stehbolzen M 0,6 verschraubt.

Die Bodenplatte und Wartungsklappe wurden aus Ms-Blech zugesägt. Der Flansch des Fußes wurde auf die Bodenplatte aufgelötet, anschließend die Löcher für die Stehbolzen gebohrt und diese eingelötet. Der Spindelstock für das Bodenventil ist ein einfaches Drehteil, komplettiert mit Spindel und Handrad. Das Handrad gab es in passender Grösse als Gussteil. In die Wartungsklappe wurde eine Ringöse eingelötet. Der obere Teil des Fundaments ist aus PVC gefertigt mit Aussparungen für die Bodenplatte und die Wartungsöffnung. Derzeit dient ein Quader aus Multiplex als Fundament und Standfuß des Modells.

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Fertiger Wasserkran

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