Vorbildfahrzeuge

Die Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen (GBStB) verwendeten für die Prüfung und Eichung ihrer Brückenwaagen bis zur Jahrhundertwende vier Gewichstwagen mit einer Masse von je 25 t und einen weiteren mit 30 t. Diese einfachen, dreiachsige Wagen waren als Tarierwagen in die Gruppen 90 bzw. 91 eingereiht. Als Gewichte verwendete man einfache, abgelängte Schienenstücke von jeweils 50 kg. Durch die Erweiterung des Waagebereichs der neueren Brückenwaagen auf 35 bzw. auf 40 t mußten somit zu deren Eichung zusätzlich zu den vorhandenen Wagen bis zu 200 Gewichtsstücke von jeweils 50 kg verwendet werden, die in der Hauptwerkstätte in Karlsruhe untergebracht worden waren. Allerdings verzichtete man in der Regel auf das umständliche Anliefern der Zusatzgewichte und eichte die Waagen nur bis zum jeweiligen maximalen Gewicht der vorhandenen Wagen und extrapolierte bis zur oberen Belastbarkeit der Waage

 

Gruppe

Gattung Bahndienstwagen

Nummern

Hersteller

Baujahr

Gewicht kg

90

Tarierwagen

352

Schmieder&Mayer

1866

24 819

 

 

353

Schmieder&Mayer

1866

24 753

 

 

354

Schmieder&Mayer

1866

24 914

 

 

355

Schmieder&Mayer

1866

24 906

91

Tarierwagen

403

Hauptwerkstätte Karlsruhe

1895

29 959

91a

Tarierwagen

769

MBGK

1903

39 981

 

 

770

MBGK

1903

39 984

 

 

786

Waggonfabrik Rastatt

1906

39 979

 

 

787

Waggonfabrik Rastatt

1906

39 974

 

 

801

Waggonfabrik Rastatt

1908

40 200

 

 

802

Waggonfabrik Rastatt

1908

40 200

Auf Druck der Eichmeister beschaffte die GBStB im Jahre 1903 zwei 4-achsige Drehgestellwagen (Gr 91a) zur Eichung der Brückenwaagen mit 40 t. Die Wagen bestanden aus vier durchgehenden I -Trägern mit Querverbindungen und waren in den Knotenpunkten mit Blechen und Winkellaschen versteift. Eingebaute Gußstücke erhöhten das Leergewicht der Wagen auf annähernd 25 t. Die großen, abnehmbaren Gewichte waren als Walzen mit seitlichen Spur- und Radkränzen ausgebildet. Diese waren auf zwei Schienen gelagert. Geeignete Schrauben mit Handrädern und Gegenmuttern waren in zwei seitlichen Längswänden eingelassen und fixierten die Gewichte so in ihrer Position auf den Schienenprofilen. Der Gesamtachsstand mußte auf 6,2 m reduziert werden, damit die Wagen zur Eichung der Brückenwaagen mit einer Länge von 6.5 m verwenden werden konnte. Die Bauart der Diamond-Drehgestelle mit einem Achstand von 1,5 m bedingte damit einen Drehzapfenabstand von nur 4,7 m. Andererseits war die Höchstbelastbarkeit der Waagen auf 3,6 t/m festgelegt, so daß sich eine große Wagenlänge LüP von 11,25 m und damit beidseitig ein Überhang ergab. Da die abnehmbaren Gewichte und die Gußblöcke zur Erhöhung des Leergewichtes des Wagens in der Wagenmitte angeordnet wurden, konnten die beiden Wagenenden weitgehend entlastet werden.



Tarierwagen Gr. 91a, gebaut von der MBGK(1903) und der Waggonfabrik Rastatt(1906-08)

Um diese Wagen sowohl für die neueren Brückenwaagen mit 40 t als auch für die mit 25 t verwenden zu können, wurden neun Walzen mit einem Gesamtgewicht von 15 t aufgelegt und zwar fünf mit 2 t, zwei mit 1,5 t und zwei mit 1 t. Zum An- und Abheben war an einem Ende des Wagens ein Drehkran mit einer Tragkraft von 3 t angebracht. Der ursprünglich vorhandene Flaschenzug wurde bei den späteren Lieferungen durch eine Winde ersetzt. Dadurch erhöhte sich das Gesamtgewicht dieser Wagen geringfügig.



Bad. VIb mit Gewichtswagen Gr 91a, aufgenommen 1907 in Bonndorf



Ehem. Bad. Gewichtswagen als Kar 6023 bei der DB, BW Heidelberg 1962

Wie in Baden üblich wurden die beiden Gewichtswagen als Bahndienstwagen grau gestrichen. Die Gewichte konnten mit einer Plane aus Segeltuch abgedeckt werden. Im Zugverbund mit den Gewichtswagen wurden zweiachsige Werkzeugwagen eingesetzt. Dabei handelt es sich um insgesamt 6 Wagen der Gruppe 91b und 3 Wagen der Gruppe 91c. Die Wagen wurden im Zeitraum zwischen 1862 und 1896 von verschiedenen Werkstätten gebaut. Die drei Wagen der Gruppe 91c wurden 1919 in der Hauptwerkstätte Karlsruhe umgebaut.


Werkzeugwagen Gr. 91b

Gruppe

Gattung Bahndienstwagen

Nummern

Hersteller

Baujahr

Gewicht kg

91b

Werkzeugwagen

282

Schmieder&Mayer

1864

9 070

 

 

286

Hauptwerkstätte Karlsruhe

1896

8 660

 

 

287

Schmieder&Mayer

1867

8 820

 

 

288

Hauptwerkstätte Karlsruhe

1862

8 770

 

 

291

Schmieder&Mayer

1864

8 770

 

 

298

H. Fuchs, Heidelberg

1873

8 980

91c

Werkzeugwagen

1072

H. Fuchs, Heidelberg

1866

7 500

 

 

1073

Schmieder&Mayer

1870

5 450

 

 

1089

MBGK

1861

7 600

 

Modellnachbildung

 Bereits im Jahre 1995 wurde von BAVARIA ein Gewichtswagenset nach bad. Vorbild angekündigt. Das Wagenset besteht aus einem vierachsigen Gewichtswagen der Gruppe 91a und einem Werkstattwagen der Gruppe 91b, das nun sowohl als Bausatz als auch als Fertigmodell erhältlich ist. Die Fahrzeuge entsprechen in Bezug auf Detaillierung und Ausführung den BAVARIA-Standards. Leider lag dem Bausatz bislang noch keine Bauanleitung bei, hier ist seitens des Herstellers Abhilfe gefordert. Von dem Gewichtswagen gibt es eine detaillierte Konstruktionszeichnung, so daß bei dessen Nachbildung alle Details berücksichtigt werden konnten. Weitaus unsicherer ist die Nachbildung des Werkstattwagens, hier standen nur die Skizzen aus dem bad. Verzeichnis der Personal-, Eilgut-, Güter-, Arbeits- und Bahndienstwagen von 1916 zur Verfügung. In den zum Verzeichnis gehörenden Skizzen fehlen erfahrungsgemäß zahlreiche Details. Trotzdem ist es BAVARIA gelungen, eine plausible Modellnachbildung zu fertigen. Für alle Badenfreunde ist dieses Wagenset ein absolutes Muß. Leider fehlt bislang eine geeignete Güterzuglokomotive wie z.B. die der Gattung VIIa oder aber die vielseitig einsetzbare Tenderlokomotive der Gattung VIb. Diese Modelle werden weitaus mehr vermißt als die Bauanleitung.

Gr91b 286


Gewichtswagen Gr91a als 3D-Modell

Zusammen mit einer bad. Brückenwaage, über die in Kürze an anderer Stelle berichtet werden wird, wurde auch der Gewichtswagen der Gruppe 91a als 3D-Modell nachgebildet. Ziel ist es, später in Spurweite 1 ein Kleindiorama mit Brückenwaage und Lademaß zu realisieren. Dank einer gut dokumentierten online - Aktion, in der ein vergleichbarer historischer Flaschenzug wie bei den ersten Varianten des Gewichtswagens eingesetzt zum Verkauf angeboten wurde, konnte die auf der Übersichtszeichnung nur angedeuteten Details nachgebildet werden.
 

Gewichtswagen_Gr91a_4_601

Gewichtswagen Gr91a in der Ursprungsausführung. Später wurde der Kran anstelle des Flaschenzugs mit einer Winde ausgestattet. Unklar bleibt die Vergabe der Fabriknummern bei den von der MBGK gefertigten Wagen.
 

Gewichtswagen_Gr91a_2_601

Gewichtswagen der Gr91a beim Eichen einer 7 m - Brückenwaage

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