4-achsige Durchgangswagen I./II.-Klasse von 1903 (B4i bad 03)

Im Jahre 1903 beschaffte die Staatseisenbahn 24 vierachsige Durchgangswagen der I./II.-Klasse. Der Rahmen war aus Holz, äußere Längsträger, Pufferbohlen und Knotenbleche aus Stahlblech bzw. Stahlprofilen. Bei allen Wagen kamen Drehgestelle vom Typ Ib zum Einsatz. Zur Erhöhung der Steifigkeit war zwischen den beiden Drehgestell ein nachstellbares Sprengwerk angebracht. Die Wagen hatten das für diese Zeit in Baden typische Korbbogendach, das eine bessere Ausnutzung des Lichtraumprofils gestattete. Auffällig bei den Wagen der Gruppen 74a, 79a et. al. die bis zur Unterkante der Längsträger heruntergezogenen Seitenwände.

Der Aufbau des Wagens war wie in Baden üblich aus Holz und außen mit Blech beplankt. Innen war er mit Holz verkleidet. Der Wagen hatte zwei Abteile der I.-Klasse mit 4 bzw. 6 Sitzplätzen, einen Abort mit Vorraum und zwei Abteile II.-Klasse mit insgesamt 24 Sitzplätzen. Der Gang war in der I.-Klasse außen, in der II.-Klasse innen und symmetrisch angeordnet. Die Fenster in beiden Klassen hatten eine einheitliche Breite von 1200 mm, die in Vorraum und Toilette von 600 mm. Zum bequemeren Öffnen war ein Federmechanismus mit Gegengewicht eingebaut. Vorhänge aus Stoff waren als Sonnen- und Sichtschutz vorhanden. Der Zugang zu den beiden Abteilen der I.-Klasse erfolgte vom Seitengang über mittig angeordnete Schiebetüren.

Typisch für badische Fahrzeuge war die Gestaltung der Bühnen mit Übergangsblechen zu den benachbarten Wagen und den vier Dachstützen. Der Zugang zum Übergangsblech war mit einer Kette abgesperrt. Der Handlauf auf den Geländer der Bühne war gekröpft, damit die seitliche Absperrgitter zwischen Bühne und Stirnseite des Wagens angeordnet werden konnten. Während der Fahrt waren diese verschlossen, ein Hinweis verbot den Aufenthalt auf der Plattform während der Fahrt. Zum Verlassen der Wagen konnten die Sperre nach vorne geklappt werden.

Sechs Torpedolüfter badischer Bauart sorgten für Frischluft, der Vorraum zum Abort war beidseitig zu den Abteilen mit Türen versehen und diente als Geruchsschleuse. Alle Abteile, der Abort und der Vorraum sowie die Plattformen waren mit Gasglühlichtern ausgestattet, jede Lampe hatte ein Ventil in der Zuleitung, das über einen Handgriff vom Personal betätigt werden konnte. In zwei unterschiedlich großen Gasbehältern konnte insgesamt ein Gasvolumen von 1600 l bevorratet werden. Die Zuleitungen zu den Lampen erfolgte beidseitig von der Stirnseite über das Dach.

Die Wasserversorgung für die Toilette (Leibstuhl) und das Waschbecken erfolgte über einen Wasserbehälter, der in das Dach eingelassen war und von oben gefüllt werden konnte. Die Innenwände waren weiß gestrichen, der Boden war gekachelt.

Die Sitze waren rückseitig in ein Holzgestell integriert, an dem auch die Gepäcknetze oberhalb der Sitze angeordnet waren. Der Abstand der Doppelsitzgestelle im Abteil II.-Klasse betrug 1950 mm.

Die Wagen hatten eine Dampfheizung, die Wärmetauscher waren quer zur Fahrtrichtung unter den Sitzen angeordnet. Unterhalb der Längsträger waren Trittstufen - fluchtend mit den Fenstern - angebracht, über die bei Notfällen Reisende die Wagen über die Fensteröffnungen verlassen konnten.

Die Gesamtlänge der Wagen betrug 18.240 m. Sie waren mit Hand- und Doppelluftbremse der Bauart Hardy-Westinghouse ausgerüstet. Alle Wagen wurden 1903 von der Firma Schmieder und Mayer in Karlsruhe gefertigt. Die Wagen hatten die Bahnnrn. 14424 bis 14447.

Die Reichsbahn gruppierte die Wagen als reine Wagen der zweiten Klasse mit der Bezeichnung 4Bi bad 03 ein (30 028 bis 30 051)
 

Gr_74a_800

Wagen der Gruppe 74a aus dem Bad. Wagenverzeichnis
 

Gr_74a_1_800

 

Von den 24 Fahrzeugen ist der Wagen mit der Betriebsnummer 14445 teilweise erhalten geblieben. Er wurde von der Reichsbahn als Karlsruhe 30 049 übernommen. Als 26 967 wurde er 1956 von der DB ausgemustert. Der Wagenkasten ist erhalten geblieben und diente zwischenzeitlich als Clubheim auf einem Sportgelände. Er konnte vom DGEG Museum Neustadt erworben werden. Eine Aufarbeitung ist geplant. Derzeit fristet er sein Dasein in einer nicht öffentlich zugänglichen Halle und steht somit wenigstens im Trockenen. Die ursprünglichen Drehgestelle sind nicht mehr vorhanden, kurzerhand hat man den Aufbau auf Pressblech-Drehgestelle preussischen Ursprungs gesetzt.

Am Wagenaufbau und am Rahmen wurden im Laufe der Zeit viele Veränderungen vorgenommen. Der Zustand (Stand 2010) kann als “desolat” bezeichnet werden. Einige Originalteile sind erhalten geblieben (Teile der Abteile und des Bühnengeländers, Wasserkasten für die Toilette sowie Torpedolüfter und Fenster).
 

Gr74a_Innen_400

Gr74a_Innen_300

Innenaufnahmen: Abteil II.-Klasse Blickrichtung Toilette (links) und Gang vor Abteil I.-Klasse, Blickrichtung Ausgang (rechs)
 

Fenster_A_350

Fenster_350

Fenster (links) und Schließmechanismus (rechts)
 

Torpedolüfter_350

Torpedolüfter_Innen_350

Torpedolüfter (Außenteil links, Innenteil rechts)
 

Gr74a als Modell

 

Im Jahre 2011 kündigte die Fa. Liliput/Bachmann erstmals die 4-achsigen Eilzugwagen nach Vorbildern der Bad. Staatseisenbahnen in Spurweite H0 an und zwar die Varianten Gr 74a, 79a und 110a, spätere Bezeichnung B4i Bad 03, 4BCi Bad 02 und 4Ci Bad 02. Aus Marketing- Gründen gingen die Wagen in der Ausführung Epoche I erst 2015 zusammen mit der VIb in den Handel. Alle Wagen hatten aus Kostengründen vorbildwidrig ein einheitliches Fahrgestell (Unterschied Gr74a zu Gr79a in H0: 4,7 mm). Der zwischenzeitlich angekündigte Packwagen G133b wurden mangels realisierbarer Auflagenhöhe gestrichen.

Die Inneneinrichtung der Wagen ist etwas spartanisch ausgefallen. Im Bereich der Bühnen, des Dachs und des Fahrwerkrahmens sind einige Vereinfachungen und Unstimmigkeiten zu finden. Der Gesamteindruck der Wagen ist jedoch stimmig, zumal in Bezug zu dem angebotenen Verkaufspreis.

 

Li_Eilzugwagen_21_600a

Liliput Gr 74a

 

Gr 74a als 3D-Modell
 

Bereits im Jahre 2010 wurde mit der 3D-Nachbildung des Wagens begonnen, dann aber doch wieder unterbrochen und zurückgestellt. Frisch motiviert wurde nach achtjähriger Pause das Projekt wieder aufgegriffen und zum Abschluss gebracht. Langfristiges Ziel sollte eigentlich die Rekonstruktion aller erhalten gebliebenen Fahrzeuge der Bad. Bahn sein und da ist noch viel zu tun. Die Gefahr, dass die erhalten gebliebenen Fragmente ganz verschwinden, kann nicht ausgeschlossen werden.

Vorbildunterlagen zu dem Wagen sind äußerst überschaubar. Vorbildaufnahmen aus der Epoche 1 oder Werksaufnahmen der Fa. Schmieder & Mayer sind nicht bekannt. Identische oder wenigstens vergleichbare Details anderer Wagen müssen zusammengetragen werden und entsprechend angepasst werden. Charakteristische Details badische Wagen sind die Gestaltung der Übergangsbühnen, die Torpedolüfter und die in die Glasscheiben eingeätzten Embleme des Flügelrades. Trotz dieser Schwierigkeiten kam ein - so glaube ich - überwiegend stimmiges Konstrukt zustande.

Die Skizzen aus dem Bad. Verzeichnis sind recht genau und maßstäblich, allerdings fehlen die Details. Das fängt bereits bei der Anordnung und Gestaltung der verschiedenen Profile des Fahrwerkrahmens an. Modifikationen an erhalten gebliebenen Fahrzeugen erschweren das Ganze. In diesem Fall konnte der Rahmen des erhalten gebliebenen Relikts vermessen werden, eine Restunsicherheit wird immer bleiben.

Vergleichsweise einfach war die Rekonstruktion der Drehgestelle, hier konnte auf detaillierte Zeichnungen zurückgegriffen werden.
 

Drehgestell_Ib_mit_Radsatz_R1_600

Badisches Drehgestell vom Typ Ib
 

GR74a_E_800

Seitenansicht des Wagens der Gruppe Gr74a
 

GR74a_I_350

GR74a_II_350

Stirnseiten des Wagens /I Klasse - Abteil links, II Klasse - Abteil rechts
 

GR74a_N_T_800

Gr 74a, Zugang ins Abteil II.-Klasse. Rahmen und Drehgestelle müssten lt. J. Freese ebenfalls grün lackiert gewesen sein.
 

GR74a_o_Dach_800

Blick ins Innere des Wagens
 


Schnellzug- und Packwagen als Spur 1 - Modelle von Dingler

Im Dez 2018 wurden drei verschiedene Plattformwagen von der Fa. Dingler angekündigt. Nachfolgend die angebotenen Varianten, die ab Ende 2019 verfügbar sein sollen:

Varianten dingler

Als Besonderheit werden alle Wagen als lackierte und bedruckte Komplettbausätze angeboten, die vergleichsweise einfach und ohne Lötarbeiten montiert werden können. Zielgruppe sollten dabei in erster Linie Live - Steamer sein. Demzufolge sind Spurkränze von 1 ,6 mm und eine Radbreite von 6 mm geplant. Die Dächer der Wagen sind nicht abnehmbar. Die Preise für die Wagen liegen bei 950, - € für die Schnellzugwagen und 750,- € für den Packwagen. Handmuster der Wagen sollen in Sinsheim präsentiert werden.

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